Was denken Bürgerinnen und Bürger über eine CO2-orientierte Reform der Energieabgaben, -steuern und –umlagen (CORE)? Wie können die Akzeptanz erhöht und die Abgaben und Umlagen sozialverträglich gestaltet werden? Das hat das Forschungsteam des Projekts COreFAKTEN unter Leitung des Forschungs- und Beratungsinstituts Adelphi Research in Berlin untersucht.

Nachdem eine CO2-Bepreisung im Rahmen des Brennstoffemissionshandelsgesetz vom Dezember 2019 in Deutschland eingeführt worden ist, stellt die Abgaben- und Umlagen-Systematik weiterhin ein zentrales Handlungsfeld dar. Hintergrund ist das allgemeine Ziel, das derzeitige Abgaben- und Umlagen-System auf gelieferte Energie stetig so weiterzuentwickeln, dass sein Beitrag zu den gesamtgesellschaftlichen Anstrengungen, die Energiewende und Klimaschutzziele zu erreichen, kontinuierlich verbessert wird.

Um zu verstehen, welche Mechanismen zu einer Akzeptanz oder Nichtakzeptanz für eine CORE führen, setzten die Projektpartner auf einen konzeptionellen und empirischen forschungsbasierten Ansatz, der verhaltensökonomische, sozio-psychologische und kommunikationswissenschaftliche Methoden beinhaltete.

Grafik Mittelverwendungsmechanismen
© Projekt COreFAKTEN/ adelphi research gGmbH
Während staatliche Investitionen in den Klimaschutz von den Umfrage-Teilnehmern am besten bewertet wurden, schnitt die Klimadividende am wenigsten gut ab.

Dabei konzentrierten sich die Fachleute auf Fokusgruppen – hauptsächlich mit Teilnehmenden aus einkommensschwächeren Haushalten, die Kosten für Strom und Wärme besonders finanziell belasten und besonders stark durch den CO2-Preis betroffene Haushalte, zum Beispiel Pendler.

Diese empirischen Untersuchungen in Zeiten einer Pandemie umzusetzen, sei für das Team die größte Herausforderung gewesen, sagt Projektleiter Anton Barckhausen: „Letztlich haben wir uns dafür entschieden, die Fokusgruppen virtuell umzusetzen. Das war sehr vorbereitungsintensiv, hat am Ende aber gute Ergebnisse geliefert.“

Forschungsfragen auch öffentlich viel diskutiert

Eine weitere Herausforderung sei gewesen, dass die politische Debatte rund um die CO2-Bepreisung parallel zu dem Vorhaben sehr dynamisch verlief. „Zum Projektstart mussten wir daher den Untersuchungsrahmen schärfen, da die theoretischen Überlegungen aus der Zeit des Projektantrags bereits Realität waren. Auch während des Projekts mussten wir uns immer wieder mit den aktuellen Entwicklungen auseinandersetzen“, sagt Barckhausen. „Zu unserem Thema so regelmäßig in der Tagespresse zu lesen, hat aber auch viel Spaß gemacht, weil das bei Forschungsprojekten nicht unbedingt üblich ist.“

Grafik mit Zitaten von Umfrage-Teilnehmern
© Projekt COreFAKTEN/ adelphi research gGmbH
In einer Umfrage äußerten die Teilnehmenden ihre Meinung dazu, wie die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung verwendet werden.

Obwohl das Thema CO2-Bepreisung sehr aktuell ist, stellte das Projektteam fest, dass die untersuchten Fragestellungen bislang nur unzureichend aufgefasst oder sogar missverstanden werden. „Dies führt schon für sich genommen zu einer Ablehnung“, erklärt der Ingenieur für Energie- und Verfahrenstechnik. Wichtigste Erkenntnis sei deshalb: „Akzeptanz setzt Verstehen voraus.“

Antworten anders als erwartet

Herauszufinden, dass die Klimadividende von den Teilnehmenden vielfach als ungerechtes und wenig zielführendes Instrument angesehen werde, sei zwar für das Forscherteam überraschend gewesen, da das dem Grundgedanken dieses Instruments widerspreche, berichtet Anton Barckhausen. Jedoch bilde die Erkenntnis eine äußerst wichtige Informationsgrundlage für eine mögliche Weiterentwicklung des CO2-Bepreisungssystems und der damit verbundenen Rückerstattungsinstrumente in der Zukunft.

Die weitere Ausgestaltung der CO2-Bepreisung bleibe nämlich absehbar Teil der klimapolitischen Debatte. „Insbesondere die Frage, unter welchen Bedingungen eine CO2-Bepreisung für bestimmte Bevölkerungsgruppen mehr oder weniger akzeptabel ist, ist relevant für die Politik-Akzeptanzforschung.

Erkenntnisse in Maßnahmen-Handbuch zusammengefasst

Die gesammelten Einsichten quantifizierte das Team abschließend in einer multikriteriellen, empirisch basierten Entscheidungsanalyse, einer sogenannten Conjoint-Messung. Auf Grundlage dieser Analyse entwickelten die Expertinnen und Experten ein Akzeptanz- und Kommunikationskonzept von Maßnahmen zur Rückerstattung der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung, das sich an den Bedürfnissen und Erwartungen vulnerabler Zielgruppen orientiert.

„Unsere wichtigste Empfehlung lautet“, fasst Anton Barckhausen zusammen, „es muss mehr Mühe darin investiert werden, die Gründe für die Ausgestaltung von Politikmaßnahmen, wie der CO2-Bepreisung und ihrer Funktionsweise, allgemeinverständlich zu erläutern.“ (kkl)

Förderung

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat das Projekt COreFAKTEN im Forschungsbereich Energiewende und Gesellschaft gefördert. Den Rahmen dafür bildet das 7. Energieforschungsprogramm. Hier finden Sie weitere Informationen zur Forschungsförderung.

COreFAKTEN – Gesellschaftliche Akzeptanzfragen einer Reform der Energieabgaben, -steuern und -umlagen mit CO2-Bepreisung

För­der­kenn­zei­chen: 03EI5202A-C

Projektlaufzeit
01.01.2020 31.12.2021 Heute ab­ge­schlos­sen

The­men

Energiewende und Gesellschaft

För­der­sum­me: gut 310.000 Euro

Publikation

Akzeptanz und Kommunikation eines CO2-Bepreisungssystems

Ergebnisse und Handlungsempfehlungen aus dem Projekt „Gesellschaftliche Akzeptanzfragen einer Reform der Energieabgaben, -steuern und -umlagen mit CO2-Bepreisung (COreFAKTEN)“

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Publikation

Gesellschaftliche Fragen rund um die Energiewende  

Schlaglichter der Wirtschaftspolitik (Ausgabe 06/2021)

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Forschungsthema

Informationen dazu, welche Forschungsfragen rund um das Thema "Energiewende und Gesellschaft" vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert werden, finden Sie hier.

Wie Sie einen Antrag auf Förderung stellen, lesen Sie an dieser Stelle.

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